15. ZKB-JAZZPREIS

Junge Spielarten des Gegenwartsjazz
Von Frank von Niederhäusern, sfd

Zum 15. Mal richtet die Zürcher Kantonalbank den ZKB-Jazzpreis aus. Die Endrunde mit sechs Bands steigt als Festival vom 30. April bis 5. Mai im Moods in Zürich.

Ob elektronisch aufgepeppt oder rockig durchsetzt, ob als hipper Clubsound angerührt oder noch bunter gemischt: Jazz klingt heute kaum mehr wie damals vor über 100 Jahren, als im Süden der USA verschiedene Folkloren, Kirchenlieder und Tanzmusik zum neuartigen Sound zusammenflossen.

Um den jungen, innovativen Jazz der Gegenwart zu fördern, verleiht die Zürcher Kantonalbank seit 2003 alljährlich den ZKB-Jazzpreis. In die diesjährige Endrunde im Zürcher Moods haben es sechs Bands geschafft, die mit sehr unterschiedlichen Spielarten des aktuellen Jazz aufwarten.

Ausgehend von gewohnten Mustern des sich während Jahrzehnten verdichteten Kanons, suchen zwei Bands aus Zürich nach eigenen Wegen. Das Trio District Five bündelt seine Energie und lässt sich von urbanem US-Flair inspirieren. Bassist Raphael Walser setzt als Bandleader und Komponist die Akzente seines Quintetts, für das er namhafte Musiker gewinnen konnte: Pianist Marc Méan, die Saxer Tobias Meier und Niculin Janett oder Drummer Jonas Ruther.

Ungewöhnliche Bandleader

Nicht vom Bass aus, aber ebenfalls aus ungewöhnlicher Perspekltive agiert Lada Obradovic als Bandleaderin. Die junge Drummerin aus Bern gibt in ihrem fankophonen Quintett den Takt an und mit komplexen Kompositionen auch die Grundstimmung. Die Musik der gebürtigen Kroatin, die in Zagreb, Graz und Bern studierte, nimmt gefangen durch eigenwillige Rhythmen und überraschende harmonische Wendungen.

Rhythmisch grundiert ist auch die Musik des Akku Quintett. Mit Ton und Visuals schichten die fünf Berner einen pulsierenden Minimal Sound auf, der bereits auf drei CDs greifbar ist und ein breites Publikum erobern konnte. Ähnliches lässt sich vom Genfer Pianisten Matthieu Llorda sagen, dessen Trio am Cully Jazz Festival Erfolge feierte. Auch diese Musik pulsiert, wobei Llorda noch Elektronik beimischt.

Erstmals mit Publikumspreis

Auf Klassik und Neue Musik statt Elektronics setzen Kali. Die drei Tüftler aus Luzern und Zürich mischen improvisierend Stile und Klangfarben, um ihren eigenen Ausdruck zu finden.

Welche dieser sechs Bands am 4. Mai die 15'000 Franken des Hauptpreises oder die 5000 Franken des Zweitplazierten bekommt, entscheidet eine Fachjury. Drei ihrer Mitglieder sind bekannte Jazzer und spielen am letzten Abend als ad-hoc-Trio: Sängerin Elina Duni, Trompeter Erik Truffaz und Pianist Bugge Wessettoft.

Erstmals gibt es heuer einen speziellen Publikumspreis: 1000 Franken sowie ein Konzert im Moods. Der Zürcher Club übrigens hat letzten Sommer eine Broadcasting-Anlage installiert, so dass die Konzerte dieses Mini-Festivals via www.moods.digital live gestreamt werden.

ZKB-Jazzpreis, 30.4.–5.5., Moods Zürich. Informationen unter www.jazzpreis.ch
(24.4.2017 © sda/sfd)



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