28. SCHAFFHAUSER JAZZFESTIVAL

Grosse und intime Klänge
Von Frank von Niederhäusern, sfd

Symphonisch opulent bis tanzbar intim: Vom 10. bis 13. Mai präsentiert das Schaffhauser Jazzfestival Schweizer Jazz in all seinen Spielarten.

Es dürfte ein Rekord sein: Fast 70 Musikerinnen und Musiker werden zum Auftakt des Schaffhauser Jazzfestivals auf der Bühne des Stadttheaters am Herrenacker stehen. Zu hören gibt es "The Big Wig", die neue Komposition von Andreas Schaerer. Der Berner Vokalist wird sie mit seinem erfolgreichen Sextett "Hildegard lernt fliegen" spielen - unterstützt vom Lucerne Festival Academy Orchestra.

Grosse Töne und Grossformationen haben Tradition am Festival ennet des Rheins, wo sich die Schweizer Jazzszene zum 28. Mal in ihrer Vielfalt präsentiert. Doch auch das pure Gegenteil gehört dazu: Vor dem opulenten Festivalauftakt tritt der Berner Schlagwerker und Perkussionist Julian Sarorius zum intimen Solokonzert an.

Klingende Namen aus drei Generationen


Als Schlagzeuger ist Sartorius einen Abend später im Trio von Colin Vallon zu hören. Der international höchst erfolgreiche Lausanner Pianist tauft seine neue CD.

Ihre neuen Alben stellen in Schaffhausen auch der Zürcher Saxofonist Christoph Irniger mit seinem Quintett Pilgrim und der Schaffhauser Gitarrist Urs Vögheli mit dem Quartett Ghost Town vor. Diese drei Formationen spannen den stilistisch weiten Bogen des aktuellen Schweizer Jazzschaffens auf: von den komplexen Balladen Vallons über den energetischen Tüfteljazz von Irniger bis zum kecken Umgang mit Traditionen bei Vögeli.

Etwas jünger als diese drei arrivierten Enddreissiger sind der Oltener Saxofonist Simon Spiess, der Genfer Pianist Florian Favre und die Aargauer Saxerin Sarah Chacksad. Letztere ist nicht nur spielend zu hören: Sie präsentiert mit ihrem Orchestra einen mutig-frischen Neuzugang im Big-Band-Bereich. Die umtriebige und initiative Frau zeichnet zudem erstmals verantwortlich für die Schaffhauser Jazzgespräche, an denen am Samstag Experten und Aktive zum Themenpaar Jazz und Volksmusik diskutieren.

Auch bereits angejahrte Jazzer werden in Schaffhausen erwartet. Der Luzerner Schlagzeuger Fredy Studer (68), der mit legendären Formationen wie OM oder Koch-Schütz-Studer bekannt wurde, tritt erstmals zu einer Solosession an. In der neuen Festival-Location Neustadt Bar gibt sich zudem Franco Ambrosetti die Ehre. Der 75-jährige Trompeter aus dem Tessin zählt zu den bekanntesten und altgedientesten Jazzern Europas.

Jazz zum Tanzen

Dem Schaffhauser Festival ist es ein Anliegen, Jazz auch der ganz jungen Generation zu vermitteln. Die Late-Night-Konzerte im TapTab-Raum bestreiten dieses Jahr zwei eigenwillig besetzte Duos, die tanzbaren Jazz im weitesten Sinn bieten.

Hinter dem Kürzel JPTR verstecken sich Sängerin Andrina Bollinger und Drummer Ramon Oliveras aus Zürich. In der gleichen Besetzung agiert das Duo True aus Bern und Zürich. Der Sound von Daniela Sarda und Rico Baumann riecht zwar eher nach Pop, doch die beiden haben sich auch hörbar durch die Jazzgeschichte gearbeitet.

Ein spezielles DJ-Set gibt es bereits zum Auftakt am Mittwoch im Stadttheater zu erleben. Mit Ulrich Stock legt ein treuer Festivalbesucher auf. Seit Jahren berichtet Journalist Stock für die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit" vom Schaffhauser Festival.

28. Schaffhauser Jazzfestival. Mi, 10.5. bis Sa, 13.5., Stadttheater, Kammgarn, Taptab, Neustadt Bar Schaffhausen. www.jazzfestival.ch
(5.5.2017 © sda/sfd)




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