ARTHUR BRÜGGER: "DAS LÄCHELN DES SCHWERTFISCHS"
Arthur Brügger: "Das Lächeln des Schwertfischs"

In der Maske des Verkäufers
Von Beat Mazenauer, sfd

Der Kunde ist König, lautet die erste Verkaufsregel. Doch was ist der Verkäufer? In seinem ersten Roman "Das Lächeln des Schwertfischs" blickt der 1991 in Genf geborene Autor Arthur Brügger hinter die Fischtheke eines Kaufhauses. Mit gewinnender Naivität erzählt er von einem netten Kerl, der nicht nur verkaufen kann.

Arbeitswelten stehen nicht allzu oft im Zentrum der zeitgenössischen Literatur. Wenn davon erzählt wird, dann meist an einem Nebenschauplatz von familiären Geschichten. Der in Lausanne wohnhafte Arthur Brügger verfolgt ein anderes Konzept.

Sein Ich-Erzähler, der 24-jährige Charlie Fischer, ist in erster Linie ein Verkäufer. Genau genommen absolviert er eine Lehre an der Fischtheke eines Kaufhauses. Seine Bezugspersonen sind die täglichen Arbeitskollegen. Aus den oft eher knappen Gesprächen mit ihnen lassen sich ein paar Details aus dem Leben neben der Arbeit erfahren.

Charlie ist ein scheuer, naiver und ausgesprochen hilfsbereiter Mensch. Dazu trägt sicherlich bei, dass er als Waise in einem Heim aufgewachsen ist: Er hegt keinen Groll gegenüber dieser Institution, bloss steht er jetzt sehr allein in seinem Leben.

An Weihnachten bleibt ihm nichts anderes als in der "nullten Etage" des Kaufhauses mit Emile zu feiern. Auch Emile arbeitet im Kaufhaus, in der Abteilung Abfall im Erdgeschoss. Hin und wieder lässt er sich nachts einschliessen, um zu dokumentieren, welche Mengen an Lebensmitteln weggeworfen werden.

Ein guter Zuhörer

Charlie hat sich mit ihm angefreundet. Emile liest viel und möchte auch den Freund zum Lesen bewegen. Er drängt ihm Hemingways "Der alte Mann und das Meer" auf, in dem es ja auch um Fische geht, wovon dieser viel versteht.

Manchmal gelingt es Charlie auch, mit der hübschen Natascha von der Käsetheke ins Gespräch zu kommen. Hoffnungen darf er sich nicht machen, obwohl ihn Natascha wirklich mag, denn er ist ein guter Zuhörer.

Dies wird im Buch spürbar. Auch wenn der Autor seinem Ich-Erzähler eine etwas allzu geschliffene Sprache in den Mund legt, bleibt der nette Junge spürbar: ein unbescholtener Candide. Im leichten Erzählton berichtet er von seiner Arbeit mit den Fischen und lässt zwischen den Zeilen eine leise Bedrücktheit über seine Lebensumstände aufblitzen.

Blick in die Arbeitswelt

"Das Lächeln des Schwertfischs" ist ein stimmiges Buch, das kluge, präzise Einblicke in die Welt eines Verkäufers gibt, der sich ein Lächeln aufsetzt, um die Umsätze zu steigern. Die Chefs appellieren an die Mitwirkungspflicht ihres Personals.

So gehen Tage, Wochen, Monate hin. Charlie lässt sich nur wenig vom unglücklichen Bewusstsein seiner Arbeitskollegen anstecken. Aber mehr und mehr ärgert ihn, wie Emile, dass am Ende des Tages so viele Fische, Brötchen und Früchte einfach weggeworfen werden.

Vergeudung von Lebensmitteln

Ihre Freundschaft endet mit einer kleinen Tragödie - beinahe wenigstens, wenn wir es genau nehmen. Arthur Brüggers schmaler Roman bewahrt am Ende eine mehrdeutige Offenheit. Glück und Unglück, Katastrophe und Erfolg liegen manchmal sehr eng beieinander.

Um den netten Charlie, der endlich auch einmal ungebärdig und wütend sein kann, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Mit seinen offenen Sinnen wird er seinen Weg finden. Die Vergeudung von Lebensmitteln aber, die mit unserem Lebensstil zwanghaft verbunden ist, die gilt abgestellt.

Arthur Brügger: "Das Lächeln des Schwertfischs", Roman. Aus dem Französischen von Monika Buchgeister. München / Berlin, Pendo Verlag 2017, 176 Seiten, Fr. 19.90 (UVP).
(3.5.2017 © sda/sfd)



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