GESPRÄCHE MIT GOTTFRIED HONEGGER

Auruf zur Verschönerung der Welt

Der ehemalige Frankreich-Korrespondent des Schweizer Fernsehens, Ruedi Christen, hat den Künstler Gottfried Honegger 1993 in Paris kennengelernt. Aus zwanzig Stunden aufgezeichneten Gesprächen hat Christen ein Buch gestaltet, das beim Limmat Verlag erschienen ist.

Der Schweizer Bildhauer und Maler Gottfried Honegger ist im Januar 2016 im Alter von 98 in Zürich gestorben. Er zählt zu den international bedeutendsten Vertretern der konkret-konstruktiven Kunst. "On doit construire le monde" lautete eine seiner Prämissen. Architektur und Kunst seien gleichermassen dazu da, "eine neue Gesellschaft zu bauen", so Honegger.

Bis ins hohe Alter habe sich der Künstler eingesetzt für seine Überzeugung, dass die Schönheit den Menschen besser mache, schreibt Ruedi Christen im Vorwort seines Buchs "Gottfried Honegger". Noch wenige Tage vor seinem Tod habe Honegger bei einem öffentlichen Auftritt zur Verschönerung der Welt aufgerufen: "Au travail!"

Acht Kapitel mit Zitatüberschriften umfasst Christens Buch. "Ich hätte etwas mehr Zärtlichkeit erwartet von diesem Land, ja, vielleicht etwas mehr Zärtlichkeit" ist eines dieser Zitate. Er habe "ein etwas seltsames Verhältnis zur Schweiz" gehabt, sagt Honegger. Immer wieder sei er angeeckt. Schuld sei aber nicht nur die Umwelt, schuld sei wohl auch er, "mindestens zu einem gewissen Grad."

Ein besonderes Verhältnis verband ihn mit Max Frisch. Nur mit diesem Schriftsteller habe er das gehabt, was man sich unter Freundschaft vorstellt, so Honegger. Freundschaft bedeute, "dass man sich geistig nackt gegenüberstehen kann. Ohne in Gefahr zu kommen, missbraucht oder verletzt oder falsch verstanden zu werden".

Ruedi Christen: Gottfried Honegger. Eine Biografie in Gesprächen. Limmat Verlag, Zürich 2017, 42 Franken.
(6.11.2017 © sda/sfd)



Schweizer Feuilleton-Dienst (sfd)