REPORTAGEFOTOGRAFIEN IM FOTOZENTRUM WINTERTHUR

"Message to the future" und "Blind Spots"
Von Renato Bagattini, sfd

Gleich zwei Reportagefotografen zeigt das Fotozentrum Winterthur. Im Fotomuseum ist das Werk des Amerikaners Danny Lyon zu sehen, in der Fotostiftung jenes des Schweizers Dominic Nahr.

Es brauchte viel Mut im Amerika der 60er-Jahre die schwarze Bürgerrechtsbewegung zeitkritisch zu dokumentieren. Der amerikanische Fotograf Danny Lyon (*1942) tat in jungen Jahren genau das und schuf mit diesem Langzeitprojekt ein wichtiges Dokument amerikanischer Zeitgeschichte.

Sowieso sind es immer Aussenseiter und Subkulturen, die den Fotografen schon immer faszinierten. Lyons Fotografierstil folgt dem so genannten New Journalism und so versteht sich der Fotograf als ein Teil des Themas selbst. Beispielsweise in der Serie über einen Motorradclub in Chicago mit seinen tätowierten Outlaws.

Um eine grösstmögliche Nähe zu erzielen, war Lyon selbst eine Zeit lang Mitglied dieses Clubs. Entsprechend dicht und atmosphärisch sind die Bilder. Ein Markenzeichen übrigens des Fotografen, das auch in anderen Serien, etwa über Insassen eines Gefängnisses zum Ausdruck kommt.

Film für die Bilder

Danny Lyon dokumentierte seine fotografischen Arbeiten oft auch mit einer Filmkamera. Bei Themen, für die seiner Ansicht nach das Bild alleine nicht mehr genügte, nahm er auch bewegte Bilder auf. Das Porträt eines Tätowierers der 1960er-Jahre etwa ist eine solche Kombination aus Fotos und Filmsequenzen.

"Message to the future", so der Titel der Ausstellung, ist die erste Retrospektive dieses Fotografen in Europa. Sie zeichnet ein kritisches Bild der USA der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Und in einem gewissen Sinne ähnelt das Werk demjenigen des Schweizers Dominic Nahr, der mit "Blind Spots" in der Fotostiftung Schweiz zu sehen ist.

Eindringen in die Materie

Seit 2009 lebt der 1983 in Heiden geborene Fotograf in Nairobi. Zuvor startete der junge Fotograf als subtiler Reporter in Krisengebieten dieser Welt durch. Angesehene Magazine wie "Time Magazine", "National Geographic Magazine" oder "Stern" greifen auf seine eindrücklichen Fotografien zurück. 2015 wurde er zum Schweizer Fotografen des Jahres gekürt.

Nahrs Bilder leben von einer ihm eigenen Bildsprache. Unschwer ist darin zu erkennen, dass ihn sein Thema nicht nur an der Oberfläche interessiert. Diese Haltung erlaubt es Nahr, tiefer in die Materie einzudringen, um die Flüchtigkeit des Raschlebigen verlassen zu können. Es scheint, als beginne bei ihm die Arbeit, wenn das Gros der Reporter bereits wieder abgezogen ist.

Schrecken des Kriegs

Aufnahmen aus vier afrikanischen Ländern zeigt die Fotostiftung Schweiz in ihren Räumen: Mali, Südsudan, Kongo und Somalia. Über jedes Land und sein Krisengebiet erzählt Nahr eine andere Geschichte. Doch immer dreht sich alles um das Leid der Bevölkerung, über den Schrecken des Kriegs.

Dabei sind es vor allem die stillen Bilder, die vordergründig harmlos erscheinen, die von einer eindringlichen Kraft leben. Nahr gelingt es mit seiner Art, eine Nähe zu den schicksalsgeplagten Menschen herzustellen, die nicht alltäglich ist. Damit verlieren die Bilder auch alles, was mit Effekthascherei oder Sensation zu tun haben.
Bis 27. August (Danny Lyon) und 8. Oktober (Dominic Nahr). Öffnungszeiten: Di - So 11-18 Uhr, Mi bis 20 Uhr, Mo geschlossen. Der Ausstellungskatalog von Danny Lyon kostet in der Ausstellung 65 Franken. Für die Ausstellung von Dominic Nahr wird eine App (Android und Ois) zur Verfügung gestellt, mit der durch die Ausstellung geführt wird.
(19.5.2017 © sda/sfd)



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