SAISON 2017/18 DES ZÜRCHER SCHAUSPIELHAUSES

Aktuell, klassisch und vielfältig
Von Bruno Rauch, sfd

Das Schauspielhaus Zürich wartet mit einer vielseitigen Spielzeit 2017/18 auf, die Klassik und Aktualität nahtlos zusammenbringt. Intendantin Barbara Frey, ihr Stellvertreter, Dramaturg Andreas Karlaganis, und Petra Fischer, Leiterin Junges Schauspielhaus, haben das neue Programm am Dienstag präsentiert.

Nach dem Eröffnungsfest im Pfauen beginnt die neue Saison mit der ebenso effektvollen wie zeitlosen "Dreigroschenoper", unmittelbar gefolgt von einer Koproduktion mit dem Gorki-Theater namens "Winterreise". Die israelische Regisseurin Yael Ronen hat das Stück mit einem Exil-Ensemble auf der Basis einer Busfahrt durch Deutschland und die Schweiz entwickelt.

Mit Manns Jahrhundertroman "Buddenbrooks" (Regie: Bastian Kraft), Bulgakows Satire auf den neuen Sowjetmenschen "Hundeherz" (Alvis Hermanis) und Dostojewskis grotesker Erzählung "Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett" (Frank Castorf) kommen Adaptionen grosser Prosa auf die Bühne.

Wiederbegegnungen mit Klassikern bieten die Inszenierungen von Kleists doppelbödiger Komödie "Der zerbrochene Krug", Horváths "Zur schönen Aussicht", dem Panoptikum eines monströsen Hotel-Zoos (beide Stücke stehen unter der Regie der Hausherrin), sowie Shakespeares düsterer Komödie "Mass für Mass", inszeniert von Jan Bosse.

Genial verpackte Doppelbödigkeit bietet auch Johann Strauss’ Operettenklassiker "Die Fledermaus". In der Schiffbau-Box wird die Gesellschaftskritik im Dreivierteltakt und mit magyarischem Kolorit als Festspielproduktion mit einem mehrköpfigen Orchester, singenden Schauspielern und Puppen von Nikolaus Habjan, der auch Regie führt, zum Klingen gebracht.

Aktualität und Gesellschaftskritik

Auf die unmittelbare Aktualität bezogen ist die Schweizer Erstaufführung von Elfriede Jelineks "Am Königsweg". Das von Stefan Pucher inszenierte Stück bringt den Ödipus-Mythos mit der durch Nepotismus, Machtballung, Schuld und familiären Verstrickungen korrumpierten Trump-Ära in Verbindung.

Christoph Marthaler ("Wir nehmen es auf uns") gründet mit seinem Ensemble einen Bad State, in dem die globalen Fehlleistungen entsorgt und neutralisiert werden - gegen entsprechende Gegenleistung versteht sich. Anna Viebrock, Marthalers Bühnenbildnerin, kreiert diesmal die Szenerie für einen von René Polleschs sozio-philosophsichen Rundumschlägen ("Hello, Mr. Mac Guffin").

In "Weltzustand Davos" reflektiert Rimini Protokoll das WEF, Teil des Projekts "Staat 1-4". Und in einer Koproduktion mit dem Jungen Theater Basel entwickelt Sebastian Nübling ein dokumentarisches Stück über die ausbeuterischen Textilfabriken in Phnom Penh ("Sweatshop - Deadly Fashion"). Karin Henkel leiht in ihrer Inszenierung vor der Folie von Euripides’ "Troerinnen" den geschändeten Frauen in Krisengebieten eine Stimme.

Als Familienstück wird der unverwüstliche "Peter Pan" gegeben. Kinder und Jugendliche werden auch in drei Neuinszenierungen angesprochen: In der Kammer inszenieren junge Regisseurinnen - Mélanie Huber ein Stück der Iranerin Afsane Ehsander, Barbara Falter eines der 1991 geborenen Katja Brunner und Sonja Streifinger eines des Zürcher Autors Gerhard Meister.

Dass Theater nicht nur auf der Bühne stattfindet, macht schliesslich eine Max-Frisch-Tour unter der "Reiseleitung" von Stephan Müller deutlich. Ein Gang durch Frischs Werk, räumlich verortet an Stätten, die für den Autor von zentraler Bedeutung waren.
(22.5.2017 © sda/sfd)



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