"THE HOBBYIST" IM FOTOMUSEUM WINTERTHUR

Fotografierte Hobbys
Von Renato Bagattini, sfd

Im Fotomuseum Winterthur ist die Ausstellung "The Hobbyist" eröffnet worden. Zu sehen sind eine Reihe von Aufnahmen zum Thema Hobby aus der Zeit der 1960er-Jahre bis heute.

36 Künstler, Berufs- und Hobbyfotografen haben einen Beitrag zum Ausstellungsthema "The Hobbyist" geleistet. Das ist deshalb bemerkenswert, weil das Festhalten einer Freizeittätigkeit irgendwie selbst ein Hobby für die Fotografen und Fotografinnen ist. So haben sich etwa die bekannten Fotografen Bruce Davidson, Robert Frank oder Alec Soth mit dem Thema beschäftigt.

Der Reigen der Aufnahmen, die auf vielfältige Weise präsentiert werden, beginnt in den 1960er-Jahren. Die Hobbys von damals waren oft geprägt von einem Dasein im stillen Kämmerlein, wo man seiner Leidenschaft nachhing, tüftelte oder bastelte. Erst nach und nach und vor allem nach der Jahrtausendwende wird das Hobby zum aufsehenerregenden Lifestyle.

Man präsentiert sich jetzt und stellt seine Freizeitbeschäftigung zur Schau. Doch immer ist auch ein Fotografenauge mit von der Partie und dieses Auge dokumentiert das Freizeit-Engagement dieser Menschen in der jeweiligen Epoche.

Die Freiheit des Hobbys

Der grosse Unterschied zur "gewöhnlichen" Fotografie liegt einerseits darin, dass die Lichtbilder meist über einen langen Zeitraum ein Hobby dokumentieren. So etwa, wenn einer seine Fischfänge für Facebook festhält, oder aus purem Interesse am Hobby.

Andererseits ist es die Freiheit der Umsetzung eigener Bildideen, die aus den Fotos spricht. Eckhard Schaar beispielsweise fotografierte über Jahre die Bodybuilderszene und klebte die Fotos fein säuberlich in konventionelle Fotoalben ein. Und Jeff Divine zeichnete bereits in den 1970er-Jahren ein modernes Bild von Wellenreitern.

Spontane und inszenierte Fotografie

Natürlich gibt es auch inszenierte Fotografien rund um das Thema "Hobby". So zeigt etwa David De Beyter eine eigens für eine Fotosession inszenierte Sprengung eines Autos in einem Wald. Üblicherweise beseitigt das Hobbygrüppchen die Autos auf konventionellere Art und Weise.

Auch Bruce Davidson hat sich Freizeitaktivisten zum Thema gemacht und Campingfreunde vor die Kamera gebeten. Seine Aufnahmen sind bewusst gestellt und idealisieren die Wohnwagenfreaks der 1960er-Jahre.

Die Ausstellung gibt einen schönen Überblick über die Freizeitbeschäftigungen des modernen Menschen. Manches ist sehr vertraut, ist aktuell oder löst eine gewisse Wehmut aus. Anderes wiederum ist sehr fremd. Etwa das Hobby "Wetlook", das Menschen in nassen Kleidern zeigt und die sich darüber im Internet austauschen.

Die Ausstellung im Fotomuseum Winterthur dauert bis am 28. Januar 2018. Der Ausstellungskatalog kostet 15 Franken.
(8.9.2017 © sda/sfd)



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